Olli Dittrich wird “König von Deutschland”
Olli Dittrich und Veronica Ferres in einer Komödie zum Wahlkampf 2013 für die große Leinwand? Verpuffte da nicht bei der letzten Wahl sogar der großartige Horst Schlämmer zum Gebrauchsgegenstand fürs Multiplex? Kann das gut gehen? Ja, es kann sehr wohl und es kann sogar Spaß machen.
David Dietls “König von Deutschland” kommt im September in die Kinos und die vorläufige Schnittfassung für die ausländischen Festivals ist bereits sehr gut ins Englische übersetzt und untertitelt worden. Dazu gab es auch bereits eine Nominierung “in the category Screenplay for the Studio Hamburg Nachwuchspreis 2013″.
Natürlich darf ich wieder nichts verraten (…und darum ist mein “Arbeits-Blog” inzwischen auch eher langweilig geworden…), aber der Film ist überraschend gut geworden und Olli Dittrich ist natürlich sowieso ein kleiner König für sich.
Offizielles Info:
(English version below)
Thomas Müllers wunderbar reguliertes und völlig durchschnittliches Leben (Karriere, Ehefrau, Sohn, Eigenheim) gerät aus den Fugen als er herausfindet, dass er unwissentlich von einem Meinungsforschungsinstitut ausgeforscht und abgehorcht wird. Weil er der durchschnittlichste Durchschnittsdeutsche ist, wurde sein Firmenhandy verwanzt, seine Wohnung verkabelt, seine Brille mit Kameras versehen. Produktideen, die er beruflich testet, tauchen kurz darauf in den Supermarktregalen auf. Seine politischen Interessen geben die Wahlkampfthemen anstehender Landtagswahlen vor. Gegen alle Widerstände versucht er seiner Manipulation zu entkommen und seine Freiheit zu erlangen.
David Dietls langerwartetes Kinodebut ist eine prominent besetzte, moderne Tragikomödie. Kinostart ist am 05.09.2013
Cast:
Olli Dittrich, Veronica Ferres, Wanja Mues, Jonas Nay, Katrin Bauernfeind, Jella Haase, Wolfram Koch, a.o.
Director of Photography:
Felix Novo de Oliveira
Producers:
Alexander Bickenbach, Manuel Bickenbach, Khaled Kaissar
English Info: King of Germany
Thomas Müller’s wonderfully regimented and utterly average life (career, wife, son, house) is thrown completely out of joint when he discovers that he is the unwitting subject of research for a polling institute, which has been secretly investigating and eavesdropping on him. Because he is the most average of average Germans, his company cell phone was tapped, his house bugged, his glasses fitted with cameras. Product ideas he tests at work appear in short order on supermarket shelves. His political interests become the topic of election campaigns for the upcoming state parliamentary elections. In the face of sizeable resistance, he tries to escape this manipulation and achieve his freedom.
David Dietl’s long-awaited screen-film debut is a modern tragicomedy boasting a prominent cast. In cinema the 5th september 2013.
Marktforschung 2.0 – Social Media Monitoring

Die Bedeutung von sozialen Netzwerken wird nicht mehr bezweifelt und die wachsende Bedeutung von unabhängigen Meinungsmachern hat schon so manchen Unternehmer oder Produzenten ins Schwitzen gebracht. In der Mittagspause ist längst nicht mehr die Rede vom Fernsehprogramm des Vorabends. Stattdessen wird vom neuen Video auf Youtube berichtet, das ein Freund bei Facebook verteilt hat oder über den “Shitstorm” gelacht, den sich eine Firma durch eine unüberlegte Werbekampagne bei Twitter eingehandelt hat.
Es wäre also naheliegend und klug, wenn eine Firma einen Teil ihrer Marktforschung in die sozialen Netzwerken verlegen würde, aber diese Einsicht hat sich in Deutschland noch nicht so richtig durchgesetzt. Davon könnten auch Jan Bartels und Philipp Rodewald von Webbosaurus ein Liedchen singen.
- Ein Text von 2012, den ich noch nicht verlinkt habe: Die ganze Story bei B!gründet Berlin, dem Gründungszentrum der HWR Berlin.
Sister Chain & Brother John (& Guests) – Take Cover
5 videos from Sister Chain & Brother John’s latest EP Record Release Party, Live at the Waterloo with some very special guests, Berlin-Kreuzberg, Haus1, Waterloo-Ufer, April 2013
Sister Chain & Brother John (& Guests) – Take Cover (5 videos)
Image: Brother John recording a few acoustic songs with Leonard Davies (Fallen Men) at his studio in Aarhus, Denmark. April 17th, 2013. Photo: Lars Kjær Dideriksen.
Natascha Kampusch – Nach der Hölle ist vor der Hölle

Das Buch “3096 Tage”, die Geschichte der Natascha Kampusch, ist an vielen Stellen nur sehr schwer zu ertragen. Zwischen zwei Kapiteln muss man da auch kurz mal um den Block gehen oder den Abwasch machen um das Geschilderte zu verdauen. Aber schon allein ihre Intelligenz und die Art, wie Kampusch das unfassbare Grauen im Kellerverlies ihres Peinigers ertragen hat, verdient vollste Bewunderung und mehr als nur Respekt oder Betroffenheit.
Jetzt kommt der Horrorfilm zum Buch und wieder glänzt diese Frau in zahlreichen Interviews mit ihrer ruhigen, bedachten Art. Dazu beeindruckt sie noch damit, wie sie mit ihren “Gegnern” und der Sorte Medien umgeht, die im “Tatort” immer als Scheißhausfliegen bezeichnet werden.
Nein, ich werde mir den Film wohl nicht angucken, aber der Sumpf von fanatischen Anhängern absurdester Verschwörungstheorien zu diesem Fall ist wohl der abstoßendste und ekelhafteste Haufen von gestörten Persönlichkeiten, die man sich nur vorstellen kann. Jetzt ist auch die “Bild” mit auf den Zug gesprungen und promotet parallel zum Film die schwachsinnigen Behauptungen des Vaters, der mit dem Leid seiner Tochter jetzt den großen Profit machen möchte. Dafür greift dieser die idiotische These auf, Natascha Kampusch habe sich die Entführung nur ausgedacht um ins Fernsehen zu kommen und das Kind war halt quasi nur ein paar Jahre allein verreist gewesen.
Die entsprechenden Foren zu diesem Fall sind noch schwerer zu ertragen als das Buch, der Film oder die “Bild”, die mit ihrer heutigen Story erneut bewiesen hat, wie gern man dort das Blut auflecken geht.
Meinung statt Information
Im Falle Kampusch ist von den Medien in Österreich schon lange eine wichtige Grenze überschritten worden. Der Umgang mit dem noch extremeren Fall des Josef Fritzl machte in Wien und Umzu alles nur noch schlimmer. Viele Kollegen schienen dort kaum noch interessiert daran zu sein, die Geschichte auch aus Sicht der Opfer zu beleuchten. Interviews oder Recherchen scheinen inzwischen vielfach generell überflüssig.
Es wird nicht mal mehr schlecht gegooglet, es wird einfach irgendwas behauptet, worüber der Chefredakteur morgens in der Konferenz laut gelacht hat. Die Spekulation setzt sich endgültig durch und ist nicht länger nur ein Fall für pseudokumentarische Witzprogramme über UFOs und Freimaurer. (War das Ungeheuer von Loch Ness tatsächlich Jack the Ripper? Wir haben einen “Experten” gefragt und erstaunliche Dinge erfahren…)
Die dunkle Seite vom Internet
Man kann darüber lachen und das alles mit dem obligatorischen “das war früher auch schon so” oder “Marx hat das damals schon angeprangert” abtun, aber wenn man sich wirklich mal die Masse von hasserfüllten Beiträgen ansieht, die nicht nur aus Österreich kommen und sich da im Internet austoben, bekommt man es ein wenig mit der Angst zu tun.
Diese tumbe, viertelgescheite Horde von Schreibtisch-Hooligans, die da ihren ganzen Hass auf eine junge Frau ablassen, deren Schicksal hart genug ist, ist überall und sie haken sich gerade unter mit den ganzen anderen Irren und geistigen Brandstiftern, die das Internet voll schreiben.
Offizielle Website von Natascha Kampusch
Foto: Reuters
Natascha Kampusch bei Günther Jauch – Verschleppt und misshandelt
3096 Tage wurde sie als Kind in einem Keller gefangen gehalten und gequält, dann gelang Natascha Kampusch die Flucht. Ihr Martyrium ist in vielem einzigartig, doch Kampusch teilt auch viele Erfahrungen mit anderen Opfern von Freiheitsentzug und Misshandlung.
Review: Game Change – Sarah Palin und das Ende der Vernunft

„Game Change“, der Spielfilm aus dem Hause HBO, der pünktlich zur Wahl 2012 fertig geworden ist und gerade den großen Emmy gewonnen hat, arbeitet den Aufstieg von Sarah Palin, der Verona Feldbusch der US-Politik, sowie den titelgebenden Wechsel der Spielregeln auf und überzeugt dabei mit einer erlesenen Besetzung. Ed Harris spielt John McCain, Julianne Moore IST Sarah Palin und Woody Harrelson gibt den Politstrategen Steve Schmidt, der als Entdecker Palins gelten darf.
Mit der Nominierung von Sarah Palin, dem „Pitbull mit Lippenstift“, als potentieller Vizepräsidentin war die Büchse der Pandora geöffnet. Der Glamourfaktor wurde mutwillig über politische Intelligenz gestellt und dem gnadenlosen Populismus der Hasskultur die Tür zur großen Bühne geöffnet. Nach Sarah Palin war für die extreme Rechte in den USA plötzlich alles möglich und immer mehr dreiste Lügen wurden von den Medien ohne Kommentar oder das Anmelden von Zweifeln in die Kanäle gepumpt.
Die Kampagnenleitung von Präsidentschaftskandidat John McCain bekam es kurz vor der Wahl 2008 irgendwann selbst mit der Angst zu tun. Palin wurde für John McCain zum Bumerang. Fanatiker aller Couleur beschimpften den späteren Präsidenten Obama wahlweise als Sozialisten, Nazi, Moslem, Araber oder Terroristen und hielten sich längst nicht mehr nur mit rassistischen Schmähungen auf. Die Hysterie gipfelte darin, dass selbst McCain Obama öffentlich verteidigen und bei einem Auftritt einer Frau das Mikrofon entziehen musste, die lautstark verkündete, Barack Obama sei gar nicht in den USA geboren worden.
Die Sache war aus dem Ruder gelaufen. Je offensichtlicher es wurde, dass man es bei Sarah Palin mit einer ignoranten, ungebildeten und egozentrischen Fanatikerin zu tun hatte, die auch mental einen wenig stabilen Eindruck machte, wurde die Frau aus Alaska von ihren Fans frenetisch bejubelt. Wer genauso dumm war wie man selbst, konnte kein schlechter Mensch sein oder so ähnlich lautete die Logik. Die Medien und Palin schienen nicht mehr zu verstehen, wie gefährlich es war, wenn die Wahl zum mächtigsten Mann der Welt tatsächlich wie eine Casting Show durchgeführt wird.
Mit Palin war der Boden bereitet für die Parade von lächerlichen Kandidaten, die 2012 für die Republikaner ins Präsidentenrennen gegangen sind. Ohne die Vorlage von Sarah Palin hätten sich Michelle Bachman, Newt Gingrich, Donald Trump, Rick Santorum oder Herman Cain wohl kaum Chancen ausrechnen können. Politveteran Gingrich faselte dabei in den TV-Debatten etwas über eine Mondbasis, Pizzabaron Herman Cain befand, ein Präsident sollte nicht zu viel lesen und redete auch sonst nur dummes Zeug, Donald Trump zweifelte Obamas Geburtsort an, Rick Santorum hatte Kontakt zum lieben Gott und hinter Michelle Bachman stand die „Tea Party“, ein gut organisierter Haufen unorganisierter Rechtsradikaler, der in Sarah Palin eine biblische Lichtgestalt zu sehen schien.
Palin, deren politische Erfolge und Erfahrungen kaum erwähnenswert sind, hatte Mitte 2012 noch selbst öffentlich damit kokettiert, im Zweifelsfall selbst anzutreten, wenn sich partout wieder niemand als Kandidat finden sollte. Der Rest der Welt registrierte das neurotische Auftreten von Sarah Palin und das Abdriften vieler Amerikaner in die Irrationalität mit einer Mischung aus Verwirrung und Ungläubigkeit, die sich schnell in nackte Angst verwandeln sollte. Was wäre gewesen, wenn Palin tatsächlich Vizepräsidentin geworden wäre und was würde passieren, wenn das Beispiel weiter Schule machen sollte? Und man war von Bush jr. ja schon einiges gewohnt.
Produzent Tom Hanks beweist mit “Game Change” einmal mehr, dass er hinter der Kamera eigentlich mehr drauf hat als davor. Vor allem zeitgenössische Politstoffe haben es dem Schauspieler angetan und die Geschichte vom “Barrakuda” aus Alaska, basierend auf dem Buch “Game Change”, lechzte natürlich geradezu nach einer Verfilmung. Leicht hätte daraus eine Klamotte werden können, aber “Game Change” geht einen anderen Weg und arbeitet stattdessen die Bedrohung heraus, die von der vermeintlich einfältigen Gouverneurin aus Alaska ausgeht. Julianne Moore gibt eine mehr als überzeugende Sarah Palin, die ihrer Figur so nahe kommt, dass es fast beängstigend wirkt. Tom Hanks hat hier mit seiner Firma Playtone ganze Arbeit geleistet und “Game Change” sich den Emmy mehr als redlich verdient.
In Deutschland offiziell vermutlich erst an einem beliebigen Montag um 00:35 im Jahre 2023 in einer schlecht übersetzten Synchronfassung zu sehen.
Review: The Avengers – Die Möglichkeit einer Chance

Ich war acht Jahre alt und der Schnupfen oder ähnliches hatte mich ans Bett gefesselt. Mein Vater war für die Betreuung zuständig und machte mir das erste Rührei aller Zeiten, das ich wirklich gern gegessen habe. Meine Frau Mutter, die selbst auch sehr gutes Rührei macht (aber mit acht hat man mit Glibberkram bis zu einem bestimmten Punkt so seine Probleme), hatte mir jedenfalls vorher aus unbekannten Gründen eine handvoll Comics vom anverwandten T. Grziwa besorgt. Dieser T. Grziwa hatte zu diesem Zeitpunkt vermutlich längst ein Moped, Jeansweste und kein weiteres Interesse an diesem Marvel-Sammelband, den mir mein Vater dann mit halb verächtlichem Blick zum Rührei im Bett überreichte.
Der Sammelband fasste jedenfalls jeweils ein Heft von “Spider-Man”, “Dr. Strange”, “Thor”, “Gruft von Graf Dracula” und natürlich den ruhmreichen “Rächern” bzw. den Avengers, die nun tatsächlich auch in Kinoform gegossen wurden. Besagter Sammelband enthielt tatsächlich sogar die allererste Story der Avengers (siehe Bild oben) und nichts anderes bringt Joss Whedon mit seinem 300 Millionen Dollar Spektakel nun auch auf die Leinwand. Thor, Hulk, Captain America, Iron Man & Co zusammen in ihrem eigenen Film, da lacht der Kindskopf im Herzen. Alle Superhelden kommen zusammen und kämpfen gemeinsam gegen das Böse. Darauf haben die Fans Jahrzehnte warten müssen und nun kommt der Film endlich in die Kinos.
Was in den 1960ern und 1970ern im Comicmarkt als lustige Idee erschien um die Auflagen einzelner Comicserien zu steigern, scheint für Disney nach dem monströsen Mega-Flop “John Carter” 2012 zum letzten Ausweg geworden zu sein. Die Verhältnisse bei den Superhelden sind dabei kompliziert geworden und wo eben noch mit 3D geschockt wurde, herrscht plötzlich große Unsicherheit.
Man merkt es, wenn man mit den jungen Fragestellern redet, die für Disney nach der Vorstellung die Presseumfrage machen. “Und was hat Ihnen nicht so gut gefallen?”
Darf ich offen sein? Die Idee, mehrere Leinwandhelden in einem Film zu vereinigen, war am Reißbrett geplant und das merkt man den “Avengers” leider an. Dafür muss man sich nicht einmal auf das Schlachtfeld der Nostalgie bewegen.
Die meisten Leute hegen für die “Avengers” die gleichen nostalgischen Gefühle wie für “Battleship”, ein Brettspiel, das in Deutschland als “Flottenmanöver” Ende der 1970er die Kinderzimmer stürmte und ebenfalls gerade Premiere in den Kinos feiern darf. Schiffe versenken vs. Strumpfhosen hauen sich was auf die Glocke, na, toll! Im Kino nix Neues.
Gehen wir also rein und setzen uns die 3D-Brille auf, die später jegliche Tiefenschärfe zerstören wird und der Film geht los. Rauch, sehr viel Rauch, Rauch in 3D, hey, cool, Rauch in 3D, Rauch sieht in 3D echt noch viel cooler aus als richtiger Rauch, visuelle Effekte, cool… Ok, was dann?
Agent XY “compromised”, russische Gangster reden mit Untertiteln, cool aussehender Senkrechtstarter landet auf Flugzeugträger usw., es muss Notfall Xy ausgerufen werden, geheimnisvolle Dinge passieren endlos lange im Weltall usw. Davon mindestens 30 Minuten, wobei ein simples “sie greifen uns an” gereicht hätte. Dann endlos lange Einführung der Protagonisten mit überflüssigen Rückblenden, kaum Entwicklung einer Story und danach kämpfen alle fröhlich gegen Außerirdische bis von New York mal wieder nur Schutt und Asche übrig ist.
Viel mehr passiert leider nicht. Der Film hat spektakuläre Bilder, die man so bisher noch nicht gesehen hat, er bringt einige der beliebtesten Superhelden aller Zeiten in einem Film zusammen und es gibt mächtig was auf die Glocke, aber am Ende wird der Film für die meisten Menschen als eine Art Iron Man 3 mit Robert Downey jr. hängen bleiben.
Keine Frage, die Spezialeffekte sind überragend und wer irgendwann mal in den letzten 50 Jahren ein Herz für Helden in Strumpfhosen hatte, bekommt hier einiges vorgesetzt. In Sachen Action und CGI braucht man da nicht lange diskutieren, der Film setzt in diesem Bereich gleich mehrere Meilensteine in den Raum, spielt auch bewusst mit den 3D-Brillen-Effekten und die Effektmacher verdienen dafür auf alle Fälle ihre Orden, aber leider reicht das über 140 Minuten nicht in der Gesamtwertung.
Der Film funktioniert am besten, wenn das Skript die Effekte mit bedacht hat und damit zu spielen versteht. Mark Ruffalo als 3D-Hulk funktioniert ganz hervorragend und hat auch die großen Lacher auf seiner Seite. Und wenn der Hulk dem Thor nach gemeinsam gewonnenen Kampf nur so aus Spaß und kindischer Rache schnell noch einen von hinten verpasst, funktioniert der Gag in der Umsetzung ebenso gut wie in der Comicvorlage und wäre ohne CGI so halt nicht zu realisieren gewesen. Da funktioniert der Film dann tatsächlich bis zur letzten Konsequenz. Nur sehen alle anderen neben dem grünen Monster eher blass aus, die Sequenz dauert nur eine halbe Sekunde, das Monster wird zu spät aus dem Käfig gelassen und insgesamt fragt man sich, warum man das Publikum hier mal wieder so sehr unterschätzt.
Joss Whedon war der richtige Mann für den Job und er hat einen guten Film gemacht, aber warum streicht man nicht die ersten 30 Minuten und springt direkt in die Action? Warum überhaupt 140 Minuten und nicht 90 und dafür eine kompakte Packung für die Hälfte an Geld? Zuviel Exposition, Gerede und verschenktes Potential.
Das Mainstream-Publikum braucht nur in drei Sätzen erklärt kriegen, dass die Welt in Gefahr ist und diese Helden in den Popkostümen jetzt halt deswegen ein Team gründen. Was gibt es da groß zu erklären? Dem breiten Publikum ist alles andere egal, die Fans der Comics können getrost auf das endlos lange Intro verzichten und die Handlung ist in jedem Falle zu vorhersehbar. Mit Außerirdischen hat das Publikum schon seine Erfahrungen gemacht und hätte in dieser Hinsicht vielleicht gern mal etwas anderes gesehen als schon wieder eine Invasion von gesichtslosen Weltraumhooligans. Und dann noch Loki als Superschurke! Niemand mag Loki! Loki ist einer der langweiligsten Bösewichter aller Zeiten und wirkt in seinem Kostüm an verschiedenen Stellen einfach nur lächerlich.
Warum wurde nicht mehr mit der Dynamik zwischen den Schauspielern ausprobiert? Robert Downey jr. beherrscht den Film, aber der Rest der Veranstaltung bekommt nicht genug Momente um sich jenseits von Wegwerffiguren weiter zu entwickeln. Dabei wäre die Interaktion zwischen Donnergott und gewöhnlichen Sterblichen oder unbezwingbarem Monster und Mann mit Rüstung genau das, worauf man eigentlich gehofft hatte. Aber vielleicht hat man die Schauspieler nicht oft genug zusammen gekriegt und stattdessen gibt es endlos Füllmaterial an Dialogen zwischen uniformierten Agenten der Geheimagentur S.H.I.E.L.D., die ständig etwas erklären, was man schon wusste oder gerade zu sehen bekommt.
Überflüssige oder schlecht geschriebene Exposition sind ja inzwischen ein Markenzeichen dieser Art von Filmen. “Oh, mein Gott, da fliegt gerade eine Bombe auf mich zu.”, “Oh, nein, das Monster wird mich gleich vermöbeln.” “Hätten wir ihnen nicht von XY erzählt, wäre ZYX jetzt nicht…”, “das Raumschiff fliegt genau auf das schwarze Loch zu”, bla-bla-bla.
Warum dann nicht einfach mit dem Sequel starten? Warum diese ganzen Dialoge nicht gleich eindampfen und sofort mit 180 durchstarten? Damit war “Star Wars” 1976 sehr erfolgreich. Da brauchte es auch nicht am Anfang 30 Minuten Gerede darüber, wer diese Rebellen sind und was sie wollen, was Prinzessin Leia vorher so gemacht hat, wo Darth Vader seinen Anzug gekauft hat und wieso R2D2 überhaupt an Bord dieses Raumschiffes ist. Da wurde kurz “was bisher geschah” eingeblendet und schon war man drin. Mehr braucht es nicht.
Die “Avengers” waren sowieso schon halbwegs etabliert oder man hätte sie in drei Minuten einführen können. Warum geht man nicht direkt zur Action gegenüber und kombiniert dann die Effekte mit guten Dialogen? Wo ist das verdammte Problem? Wie kann ein Film mit einem derartig gigantischen Budget einer “Außerirdische greifen New York an”-Story folgen? In “Battleship” greifen die Aliens zumindest Schiffe an. Na, das ist doch mal was Neues….
So überzeugt “Avengers” natürlich als Materialschlacht und gehört sicher zu den besseren Filmen dieser Art, aber es ist fraglich, ob das Publikum diese Art von austauschbaren Filmen noch lange sehen will.
What’s Google+ good for anyway?

I started to use Google+ for sharing some funny news on the side. It’s pretty random, but you can add me to your circles here.
Sharing stuff from your newsreader with one click seems to be the only way Google+ makes sense, but the interface is horrible and nobody really goes for it.
Techland reports that “users spent an average of only three minutes on Google+ last month, compared to 405 minutes on Facebook and 89 minutes on hot newcomer Pinterest. Think about that: three minutes over the course of 31 days.”
So, Google+ may become just another way of kepping track of your contacts, sort of an alternative business network in the long run or just a place to dump more links nobody cares about the day after.
Photo from Getty Images
Vom amerikanischen Rebell zum roten Elvis – Dean Reed hat Konjunktur
Älterer Beitrag von “Stilbruch” (RBB, 7.10. 2004) mit einem Interview mit mir. Tom Hanks hat das Spielfilmprojekt in jüngster Zeit erneut öffentlich angekündigt und deanreed.de hat alle Statements dazu gesammelt.
Aus dem Transkript von DeanReed.de: Ein Cowboy in der Stadthalle von Karl-Marx-Stadt, Anfang der 80er Jahre. Nein, das ist kein Scherz. Das ist der Mann, über den Hollywood-Star Tom Hanks einen Film machen will.
Tom Hanks “Dean Reed ist ein absolutes Rätsel für fast jeden Amerikaner. Jedenfalls ist er eine Kombination aus vielen Widersprüchen.”
Ein Pop-Star aus Amerika, der in den 70er Jahren seine Platten in Moskau, Prag und Ost-Berlin aufnahm. Im Westen dagegen blieb er unbekannt. Auch für Stefan Ernsting. Bis ihn vor 3 Jahren Bekannte aus Ost-Berlin auf diesen singenden Cowboy aufmerksam machten. Stefan Ernsting wollte eigentlich nur einen Magazin-Artikel schreiben; daraus wurde ein Buch: “Der rote Elvis”.”
Und dann hätten wir noch diesen Beitrag vom Schweizer Fernsehen. Da wird das Buch am Ende auch in die Kamera gehalten, aber dann bricht die Aufnahme plötzlich ab.
kulturplatz – Ostblock-Rock à la Dean Reed (2008)
kulturplatz : “Unter mysteriösen Umständen fand der amerikanische Sänger und Schauspieler Dean Reed 1986 in einem See bei Ost-Berlin den Tod. Bekannt als “Roter Elvis”, war Reed ein Paradepferd des real existierenden Sozialismus: ein echter US-Star, der – geleitet von der Utopie einer gerechteren Welt – dem Westen den Rücken gekehrt und dem Ostblock sein Leben und Wirken gewidmet hatte.”



