“Die Pflasterkästen” von Alexander Moritz Frey neu aufgelegt

Ich bin froh, dass sich wieder ein Verlag in Deutschland der literarischen Hinterlassenschaften von Alexander Moritz Frey angenommen hat. Immerhin habe ich ein Buch über den Burschen geschrieben (hier clicken und das Presse-Info öffnet sich auf magische Weise im allseits beliebten Format PDF). Für die gerade erschienene Neuausgabe von “Die Pflasterkästen” wurde daraus ein Teil als Nachwort übernommen. Dem Elsinor Verlag nochmals großen Dank für das Engagement.
English
I’m very happy that two of the most important books by Alexander Moritz Frey are back in print and it would be awesome if some foreign publisher would finally rediscover this important author. Read the official info (PDF) or this article at Spiegel International (Rediscovering Alexander Moritz Frey – Eye-Witness Account of Hitler’s WWI Years Found) and contact Elsinor Publishing or Oetinger for the book rights.
Stefan Ernsting: Der phantastische Rebell Alexander Moritz Frey oder Hitler schießt dramatisch in die Luft
Atrium Verlag, Zürich 2007, 240 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag ISBN-10: 3855351201 – EUR 19,90
Buch Info: Nach der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 fand deutsche Literatur hauptsächlich im Exil statt. Einer der am wenigsten bekannten Autoren, die Deutschland verlassen mussten, war Alexander Moritz Frey. 1933 floh er, versteckt im Kofferraum eines Freundes, über die österreichische Grenze. Frey kehrte nie wieder nach Deutschland zurück und verstarb 1957 verarmt im Schweizer Exil.
Alexander Moritz Frey ist der große Unbekannte der deutschen Literatur. Sein Antikriegs-Roman “Die Pflasterkästen” (1929) wurde von der Presse der Weimarer Republik in einem Atemzug mit “Im Westen nichts Neues” genannt und sein “Solneman der Unsichtbare” gilt als einer der großen Klassiker der frühen Phantastik, aber keines der beiden Bücher ist noch lieferbar.
Frey verfasste eine große Zahl von Romanen, Novellen, Erzählungen, Gedichten und unzählige Rezensionen für diverse Tageszeitungen. Er war ein guter Freund von Thomas Mann, Heinrich Mann, Max Reinhardt und Hans Arp. Seine visionären Satiren und seine schonungslose Abrechnung mit dem “Maschinenkrieg” machten ihn nicht nur in München zu einem viel beachteten Mann. Seinen Namen sucht man in den einschlägigen Nachschlagwerken trotzdem meist vergeblich oder höchstens aufgelistet als einen von vielen Exil-Autoren, die man bis heute noch nicht wieder in die Literaturgeschichte “reintegrieren” konnnte, wie es deutsche Beamte formulieren würden. Gab es einen Grund dafür, dass es kaum noch Hinweise auf die Existenz dieses wichtigen Autoren gab, der auch von Kurt Tucholsky, Peter Suhrkamp und W. E. Süßkind in den höchsten Tönen gepriesen wurde? Vielleicht die Bekanntschaft mit jenem cholerischen Österreicher, den Frey später mit einem “kollernden Puter” verglich?
Alexander Moritz Frey lag von 1915 bis 1918 als Sanitäter zusammen mit dem Meldegänger Adolf Hitler im Schützengraben an der Westfront des 1. Weltkriegs. In seinen persönlichen Aufzeichnungen und fiktionalen Ausflügen liefert er eine ironisch nüchterne Beschreibung Hitlers, der schon im Schützengraben durch opportunistische Hetzereien aufgefallen war. In verschiedenen Dokumenten, die sich in seinem Nachlass befinden, zeichnet Frey ein präzises Bild des Gefreiten Hitler, dessen Fronterlebnisse bisher kaum durch Material aus erster Hand belegt waren.
“Der unbekannte Gefreite” ist eine biographische Spurensuche nach Alexander Moritz Frey, der sich von den Nazis nichts gefallen lassen wollte und in seinen Romanen zum passiven Widerstand aufrief. Seine zutiefst menschliche Form von antifaschistischer Opposition, der verspielte Witz seiner Bücher und eine außergewöhnliche Exil-Biographie warten auf eine Wiederentdeckung, die schon viel zu lange verpasst wurde. Das Buch analysiert nebenbei die kulturpolitische Funktion der deutschen Phantastik Anfang des 20. Jahrhunderts und deren Einfluß auf ein gesellschaftliches Klima der Irrationalität, die sich unter Hitler im Glauben an einen unfehlbaren und allgegenwärtigen Führer manifestierte.
Es hat sich in den fünf Jahren seit Erscheinen meines Buches auch noch zusätzliches Material angesammelt, dass ich demnächst mal aussortieren sollte, aber vorerst bitte ich um Beachtung der beiden Bücher unten, die sich jeweils ganz hervorragend als Weihnachtsgeschenke machen würden.
Alexander Moritz Frey: Die Pflasterkästen.
Ein Feldsanitätsroman
Coesfeld 2011 (240 Seiten, Hardcover/geb.,
14 x 22 cm, ISBN 978-3-942788-01-4; 19,80 Euro [D])
“Der beim Verlag Kiepenheuer in Berlin erschienene Roman »Die Pflasterkästen« von Alexander Moritz Frey (* 1881, † 1957) ist eines der Ende der 20er Jahre veröffentlichten Antikriegsbücher, in denen bürgerliche Schriftsteller der zunehmenden Kriegspropaganda und der Verklärung des Weltkriegs durch nationalistische Autoren entgegentreten. Der Pazifist Frey führt die Ursachen des Kriegs auf die Selbstsucht der Herrschenden und den militärischen Dünkel der hohen Offiziere zurück. In der Form einer Reportage stellt der Autor die Gräuel des Krieges dar.” (Wissen.de)
Ich stehe nicht an, Freys Buch dem so gewaltig berühmt gewordenen Remarques vorzuziehen … Frey gelingen Gestalten, Feldärzte und Kommandeure, in denen eine Wahrheit des Krieges enthalten ist, von der Remarques Buch höchstens eine Andeutung gibt.
W. E. Süskind
In seinem dokumentarisch-autobiographischen Roman Die Pflasterkästen (1929), einem der bedeutendsten Antikriegsromane der Weimarer Republik, verarbeitet F. rückhaltlos seine Erlebnisse an der Front.
Killys Literaturlexikon
Bei Amazon: Die Pflasterkästen – Ein Feldsanitätsroman
Alexander Moritz Frey: Solneman der Unsichtbare
Roman, Coesfeld 2010 (nach der Erstausgabe von 1914;
184 Seiten, Paperback, 13,5 x 21,5 cm, ISBN 978-3-939483-16-8;
16,80 Euro [D])
Solneman, ein geheimnisvoller Fremder, erscheint in einer großen Stadt und erwirbt den dortigen Park für den ungeheuren Betrag von 150 Millionen Mark. Um das Areal herum errichtet er eine dreißig Meter hohe Mauer, denn der Sonderling, dessen wahre Gestalt niemand kennt, pocht auf absolute Anonymität und Wahrung seiner Privatsphäre. Das freilich ertragen die Bürger nicht: Märchenhafter Reichtum, gepaart mit der Verweigerung von Gemeinschaft, rücken den Abgeschiedenen in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Immer bizarrer geraten die Versuche neugieriger Städter und bornierter Vertreter der Obrigkeit, das Geheimnis um den rätselhaften Eremiten im Park zu lüften, bis dieser am Ende entnervt kapituliert.
Jetzt hat der kleine, entdeckerfreudige Elsinor Verlag sich des«Solneman» angenommen und ihn in der Textgestalt der Erstausgabe von 1914 und versehen mit einer ausführlichen Zeittafel neu herausgebracht. Ein Glück, denn auch fast hundert Jahre, nachdem «Solneman»das Licht der Welt erblickt hat, wirkt der Roman so frisch wie am ersten Tag … Noch eine Satire auf das untergehende Kaiserreich, auf Pickelhaubenträger und preußische Bürokratenseelen also? Auf den Kontrollwahn eines autoritären Obrigkeitsstaates? Nicht ganz, schließlich ist es die pure, allzu menschliche Neugier, die das Geschehen hier in Bewegung hält … Außerdem ist es kaum einem von Freys Zeitgenossen auch nur ähnlich gut gelungen, im markigen Ton der Zeit zu schreiben und diesen durch feinste Ironie zugleich zu konterkarieren … Man liest das mit Vergnügen und wünscht sich, die Kunst der Satire wäre heute nicht allein ins Fernsehen verbannt, sondern würde auch zwischen Buchdeckeln solch erfindungsreiche Vertreter finden.
Tobias Lehmkuhl in der Süddeutschen Zeitung vom 14. April 2010
1914 erschien sein phantastischer Roman Solneman der Unsichtbare, ein gewaltiger expressionistischer Wurf … Eine sehr farbige Prosa, strotzend und spühend vor Originalität.
Elmar Schenkel im Inklings-Jahrbuch 28 (2010)
Es «ist eine alte Zuneigung im Spiel zu … Alexander M. Frey, geboren 1881, einem Mann von hintergründiger Gesetztheit, Verständigkeit, Ruhe und Güte, mit dem ich seit Jahrzehnten auf gutem Fuße stehe: nämlich schon, seit er um die Jahrhundertwende mit seinem Roman ‹Solneman der Unsichtbare› (man muß den Namen ‹Solneman› von hinten nach vorn lesen) hervortrat, welchem dann … andere gute Dinge von gehaltener Schmerzlichkeit und Komik folgten. Ich habe das alles sehr gern. Einer gewissen grotesken Überwirklichkeit, ja milden Absurdität entbehrt nichts davon, ist aber alles mit literarischer Höflichkeit und still parodistischer Hergebrachtheit vorgetragen, eine Haltung, die ich schätze.»
Thomas Mann
«Es gibt so viel alte hübsche Dinge, die kein Mensch kennt, und die ihr Dasein in der ersten Auflage sanft verträumen … Dieser Solneman ist so ein Buch, das viele kennen, aber noch lange nicht alle, dies angeht. Es geht alle an, die Spaß an barockem Humor haben. Ich sage absichtlich nicht: grotesk – das ist dieser Humor auch –, aber da ist doch noch ein Ton, der aufhorchen macht, und der nicht auf der Mohnwiese E. A. Poes gewachsen ist: ein schneidender, eiskalter Ton.»
Kurt Tucholsky
Bei Amazon mit kleiner Vorschau: Solneman der Unsichtbare: Roman
Posted on November 3, 2011, in Books, Work. Bookmark the permalink. Hinterlasse einen Kommentar.
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